10 Fragen die Du (Dir) vor dem Stallwechsel stellen solltest

Den perfekten Stall gibt es nicht. Irgendwas ist immer. Bei der Entscheidung über ein neues Zuhause für Dein Pferd stehen jedoch zwei wichtige Fragen im Vordergrund:

Welche Bedürfnisse habe ich und wie lebt mein Pferd dort?

Nicht immer lassen sich 24 Stunden Freigang für Dein Pferd und Reithalle für Dich kombinieren. Also müssen Kriterien gegeneinander abgewogen werden. Und trotzdem weißt Du erst hinterher ob es die richtige Entscheidung war, weil manche Dinge nicht gefragt oder gesagt worden sind. Dann muss Dein Pferd evtl. wieder umziehen, was wieder Stress bedeutet. Um das zu IMG_4276.jpgverhindern, habe ich eine Checkliste entwickelt, die Dir unangenehme Erfahrungen ersparen kann.

Das Top-Erlebnis auf meiner Negativ-Erfahrungs-Liste war, als mich die Hofbesitzerin im ersten Frühling fragte, wann ich denn Zeit hätte, die Heuernte mit reinzuholen. Ich lachte, weil ich das für einen Scherz hielt. War es aber nicht.

Im Grunde ist die wichtigste Frage für Dich: wieviel ist es mir wert?
Für mich war das für einen Stall, in dem ich meine zwei Boxen bereits täglich selber mistete und dafür je Box 250 EUR zahlte, zu viel. Aber auch insbesondere deshalb, weil sie das vor dem Einzug nicht gesagt hat. Ich nenne das die „nachträgliche Regelerweiterung“: hinterher kommen die ganzen unausgesprochenen Regeln und Gesetze der Hofes nach und nach heraus und man muss schauen ob man damit leben kann.

Wenn ich weiß, worauf ich mich einlasse, kann ich entscheiden, ob mir das Gesamtpaket das wert ist. Wenn aber im Nachhinein
– immer mehr und mehr gefordert wird oder
– weniger gemacht wird als vereinbart oder
– der Boxenpreis jedes Jahr ohne Mehrleistung erhöht wird,
muss man sich die Frage wieder und wieder stellen.

Häufig genug verweilen Menschen in einem Stall aus Bequemlichkeit oder aus Angst vor der Veränderung viel zu lange. Und sind dann erstaunt wie gut es ihnen in dem neuen Stall geht und wie entspannt das Pferd sein kann. Auch wenn Du jetzt nicht wechseln möchtest, ist es immer gut, die Alternativen in Deiner Umgebung zu kennen.
Fang am besten an, Dir eine Liste zu machen mit dem, was Dir wichtig ist. Für Dein Pferd steht möglichst viel Freigang zu jeder Jahreszeit, gutes Futter und Wasser sowie viel Herdenkontakt im Vordergrund. Deine Liste kannst Du priorisieren nach Wichtigkeit. Auf Deine Liste schreibst Du, was Du möchtest und bezahlen kannst.

Dann schau nach entsprechenden Ställen. Ruf an, aber fahr auch durch die Gegend, frag die Einsteller nach Ställen, die Deine Kriterien erfüllen. Oft sind nur die großen Ställe im Internet gelistet aber es gibt auch immer die Geheimtipps die gleich nebenan sein können.

Frag auch in Ställen nach, die vielleicht auf den ersten Blick nicht in Frage kommen: viele Ställe haben heutzutage auch schon Ganzjahresweiden, so dass Du vielleicht den Offenstall für Dein Pferd mit der Nutzung einer professionellen Anlage für Dich kombinieren kannst.

Meine TOP 10 Fragen vor dem Stallwechsel sind:
1) Wie oft und wie lange kommen die Pferde im Winter und im Sommer raus?
2) Wie ist die Paddock/Weidesituation im Winter (matschig, trocken, Fütterung?)
3) Welchen Service bieten die Hofbesitzer zu welchem Preis und welchen kann man evtl. buchen?
4) Gibt es Zeiten, in denen der Stall/die Halle/ der Platz gesperrt oder nicht bereitbar ist?
5) Sind Impfungen, Wurmkuren, Tierärzte, Reitlehrer oder Schmiede vorgeschrieben?
6) Was wird wieviel gefüttert in Bezug auf Heu und Kraft- und Mineralfutter?
7) Wie ist das Stallklima? Existieren verschiedene Reitweisen nebeneinander, machen manche Frei- oder Bodenarbeit?
8) Werden Schränke zur Verfügung gestellt oder muss sich jeder einen mitbringen?
9) Gibt es Arbeitstage oder irgendwelche anderen weiteren Verpflichtungen/Mithilfe (Abäppeln, rein- und rausbringen z.B. am Wochenende, Feiertage)?
10) Wie groß ist das Ausreitgelände direkt vom Hof aus?Dana und Majo und Ed_7470

Nachdem Du mit dem Stallbesitzer all das geklärt hast, schau Dir den Hof genau an. Schau Dir das Heu an, das Stroh, die Lagerung. Und dann kommt der wichtigste Tipp:

Fahr an mindestens 3 Tagen zu den Zeiten, zu denen Du normalerweise im Stall wärst hin und frag möglichst viele Einsteller, wie der Hof aus Sicht der Einsteller ist.

Formuliere Deine Frage z.B. so:
„Ein Stallwechsel ist eine große Sache für mein Pferd daher möchte ich sicherstellen dass dieser Stall das Richtige für uns ist. Das ist ja immer eine individuelle Sache und jeder hat andere Ansprüche und was für den einen nicht passt, damit kann der andere ja vielleicht gut leben. Daher würde ich gern wissen, was aus Deiner Sicht verbesserungsfähig ist in diesem Stall bzw. was Dir gut und nicht so gut gefällt.“

Frage auch nach der Heuqualität und dem Stallklima. Letztlich ist ein Einsteller näher dran als der Hofbesitzer. Oft genug habe ich Informationen erst im Nachhinein erhalten, die einen erneuten Stallwechsel erforderlich gemacht haben z.B. dass die letzten 6 Einsteller wegen schimmeligem Heu gegangen sind.

Ich habe fast alle Haltungsformen schon ausprobiert: Als Selbstversorger hat man das gute Gefühl, dass man alles unter Kontrolle hat und alles genau so gemacht wird wie man es möchte. Der Nachteil ist, dass man häufig zu erschöpft ist um nach der Versorgung der Pferde überhaupt noch etwas mit ihnen machen zu können.

Als ich zu meiner Mutter einmal sagte, dass ich meine Pferde liebend gern wieder in Vollpension stehen hätte, erwiderte sie „ach was, jetzt stell Dich nicht so an. Das gehört eben dazu. Und das bisschen abäppeln ist ja wohl nicht zuviel.“ Ich hatte sie dann an Weihnachten mit am Stall (denn da kann dann oft keiner außer Dir selbst). Wir haben also gemeinsam die Arbeit gemacht, die ich sonst alleine erledigte und sie gestand von sich aus nach 30 Minuten dass es tatsächlich eine sehr schwere Arbeit sei. Und das, obwohl sie körperliche Arbeit gewohnt ist. Und da konnte sie meinen Wunsch nach Vollverpflegung verstehen.

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Heute stehen meine Pferde wieder in einem Stall, in dem gemistet wird. Und ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit, weil ich weiß, was dahinter steht. Und ich bin dankbar für jeden Moment, den der Hofbesitzer mir und meinem Pferd damit an gemeinsamer Freizeit schenkt. Also wäge gut ab, ob Du für einige Dienstleistungen vielleicht etwas zahlst und dafür mehr Qualitätszeit mit Deinem Pferd verbringen kannst!

Wie Du Dein Pferd gut vorbereitest

Pferde sind von uns abhängig. Wir bestimmen über sie. Wenn Du Dir vorstellst, dass jemand Dich einfach ins Auto setzt und mit Dir losfährt und Du weißt nicht wie lange die Fahrt dauern wird und wo Du am Ende ankommst, ist das sicher auch für Dich kein gutes Gefühl.
Daher lass möglichst wenig Raum für Ungewissheit und bereite Dein Pferd vor, indem Du es ihm erklärst. Richtig verbal. Pferde verstehen unsere Worte, unsere Emotionen, die Bilder in unserem Kopf und das Gefühl das wir dabei haben (für Zweifler gibt es jetzt auch schon wissenschaftliche Studien hierzu). Daher stelle Dir den neuen Stall vor und erkläre es ihm, wie Du es einem 6jährigen Kind erklären würdest z.B. so:

„Ich weiß das hier ist Dein Zuhause. Aber wir können hier nicht mehr bleiben, denn (Grund für den Stallwechsel z.B. ist das Heu manchmal schimmelig/kommst Du zu selten raus/…) daher habe ich ein neues Zuhause für Dich gefunden. Ich habe es mir gut angeschaut. Da sind viele andere Pferde, du kommst ganz viel raus auf große Weiden und schöne Paddocks und kannst viel laufen, wir haben einen schönen Wald um uns herum für Ausritte…usw. Wir werden da eine schöne Zeit haben. Daher werden wir in einiger Zeit dorthin gehen. Ich sage Dir vorher noch Bescheid damit Du Dich darauf vorbereiten kannst. Wenn ich Dich bitte, in den Anhänger zu steigen, dann geh bitte hinein. Die Fahrt ist auch nur kurz und dann schauen wir uns gemeinsam Dein neues Zuhause an.“

Wiederhole dies an den Tagen vor dem Umzug. Am Abend vor dem Umzug erkläre Deinem Pferd, dass es morgen so weit ist. Gib Deinem Pferd auch Rescue-Globuli in den Tagen vor und nach dem Umzug, um den Stress etwas zu mildern.

Achte vor allem in der Anfangszeit besonders auf Dein Pferd: manche bekommen durch die Futterumstellung oder feuchte Paddocks Mauke oder Strahlfäule. Je eher Du das entdeckst, desto eher kannst Du Deinem Pferd helfen. Achte darauf, ob Dein Pferd abnimmt und ob es sich in die Herde integriert. Falls es Probleme gibt, solltest Du schnell reagieren und eine Lösung finden.

Richte Dich nach Deinem Pferd wenn Du Zeit mit ihm verbringst. Zeige ihm z.B. den gesamten Hof, führe es zu den Weiden, lass es an allem schnuppern was interessant ist. Geh spazieren, lass es frei laufen, sei einfach da, putze es und versichere ihm dass es jetzt hier bleiben kann. Reite erst später oder nur kurz und vielleicht aus. Gib Euch beiden Zeit, ganz anzukommen. Es dauert zwischen 3 und 6 Monaten bis Dein Pferd ganz im neuen Zuhause angekommen ist.

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